Frieda Michelson. Ich habe Rumbula uberlebt. Moskau, 2011.
Das Buch behandelt die Vernichtung der Juden Rigas wahrend des Zweiten Weltkriegs in einem der blutigsten Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Helfer auf den besetzten sowjetischen Gebieten. Der Massenmord im Wald vom Rumbula steht zweifellos auf einer Stufe mit anderen Orten menschlicher Tragodien wie Babyn Jar, dem Wald von Paneriai, dem Ghetto Kaunas und anderen.
«Ich habe Rumbula uberlebt» baisert auf den Erinnerungen einer von nur zwei Uberlebenden, die wie durch ein Wunder der Erschie?ung der Juden Rigas entkamen. Im Zuge zweier Gro?einsatze Ende November und Anfang Dezember 1941 wurden fast alle der 30 000 Bewohner des Ghettos Riga ermordet. Die Chancen auf eine erfolgreiche Flut waren praktisch null. Doch Frieda Michelson hat uberlebt und somit auch die Erinnerung an die Greueltaten. Das Geschehene zu vergessen ist nicht moglich, selbst wenn man es versucht. In den 60-iger Jahren schrieb sie in ihrer Muttersprache Jiddisch ihre Erinnerungen nieder. David Silberman dienten diese als literarische Vorlage fur ein Buch in russischer Sprache, das nun in vierter Auflage erscheint. Bisher war das Werk aufgrund der bescheidenen Auflage nur innerhalb Litauens bekannt.
Silberman wurde 1941 in Preili (Lettland) geboren. Seiner Familie gelang es ihre Heimatstadt noch vor dem Eintreffen der Wehrmacht zu verlassen. Wahrend seiner Zeit in Riga in den 1960er-Jahren setzte er sich aktiv fur die Rechte der Juden in der UdSSR ein und nahm dafur auch Repressionsmassnahmen der sowjetischen Behorden gegen sich inkauf. 2004 konnte mit personlichen Mitteln von David Silberman in Preili ein Mahnmal fur die Opfer des Holocaust errichtet werden errichtet werden.
Die Sammlung in russischer Sprache enthält wissenschaftliche Arbeiten, Essays, Zeichnungen von Schülern und Studenten aus Russland, Belarus und der Ukraine, die als Preisträger des 7. Internationalen Schreib- und Zeichenwettbewerbs zum Gedenken an den Holocaust einen Beitrag leisten. Ebenfalls Teil der Sammlung sind ausgewählte Reden und Präsentationen der Internationalen Jugendkonferenz „Holocaust: Gedenken und Mahnung“. Zahlreiche Arbeiten entstanden auf Basis von Interviews mit Opfern und Zeitzeugen, Nachforschungen in Archiven und sorgfältiger Literaturrecherche und beinhalten sogar neue geschichtliche und philosophische Thesen. Die Sammlung richtet sich vor allem an Historiker, Lehrpersonen, Studenten und Schüler.
Wir können nicht schweigen – Schüler und Studenten über den Holocaust (7. Ausgabe); verfasst von I. A. Altman, D. V. Prokudin; Hrsg.: Zentrum und Stiftung „Holocaust“ 2010; 176 S.; ISBN 978-5-87902-223-0
Auf Grundlage von über 1000 Briefen, Tagebüchern und Fotos aus dem Archiv
des Holocaustzentrums erschien 2007 die erste
Teilausgabe der Sammlung sowjetisch-jüdischer Erinnerungen aus dem zweiten
Weltkrieg. Dank dieses Buches wurde das Archiv des Zentrums wesentlich mit
neuen persönlichen Schriftstücken ergänzt. Darunter befinden sich unter anderem
Briefe und Tagebücher zahlreicher bekannter Schriftsteller, Dichter, Gelehrter
und Kriegshelden. Im Sammelband sind teils auch Briefe anderer Museen und
Archive enthalten. Die Dokumente sind Zeugnis der Ereignisse von Anfang bis
Ende des Krieges. Das Buch richtet sich an nur an Historiker, sondern an eine breite
Leserschaft. Verwahre meine
Briefe… Eine Sammlung
jüdischer Briefe aus der Zeit des Großen Vaterländischen Krieges (2. Ausgabe),
Hrsg: I. A. Altman, L. A. Terushkin, I. V. Brodskaya; Text und Vorwort von I.
A. Altman; 2010; 328 S. ISBN 978-5-87902-222-3
THE UNKNOWN BLACK BOOK Der Holocaust auf den deutsch besetzen Gebieten der Sowjet-Union Von Ilya Altman und Joshua Rubenstein
Die Fachbibliothek des Holocaustcenters hat ein neues Buch rein bekommen. „The Unknown Black Book“ oder zu Deutsch „Das unbekannte schwarze Buch“ beinhaltet zum ersten Mal eine relevante Ansammlung in Englischer Sprache von Testamenten jüdischer Überlebende der Freilufterschießungen und anderen Untaten, die von den Nazis und ihren Verbündeten auf den besetzten sowjetischen Gebieten durchgeführt wurden, während des Zweiten Weltkrieges. Diese Dokumente, von ortsansässigen Personen, sind aus erster Hand von Überlebenden aus Arbeitslagern, Ghettos, Gewaltmärschen, Prügeleien, Hungerperioden und Krankheiten. Gesammelt wurde das unter der Leitung von 2 renommierten sowjetisch jüdischen Journalisten, Vasily Grossman und Ilya Ehrenburg. Sie erzählen von Juden, die in Gruben, abgetrennten Ecken von Apartments, Dachböden oder in Bunkern gehaust haben und sich nicht verpflegen konnten aus Angst von den Nachbarn verraten zu werden, was damals nicht unüblich war.
Il’ja A. Al’tman Hg.:Kholokost na territorii SSSR (Der Holocaust auf dem Territorium der UdSSR). Ėnciklopedija, Moskva (Rosspen = Rossijskaja politicheskaja Ėnciklopedija, 117393 Moskva, Profsojuznaja 82) ISBN 978-5-8243-1296-6, 1138 S., Verzeichnis der Mitarbeiter, Verzeichnisse der Abkürzungen, Sigel und Archive; Auflage 1000 Stück
Das Werk bezieht sich auf mehrere der inzwischen vorliegenden Holocaust-Enzyklopädien, insbesondere auf die von Walter Laqueur und Judith Tydor Baumel herausgegebene: The Holocaust Encyclopedia, Princeton/NJ. 2001, die 2005 ins Russische übersetzt wurde und vom Holocaust-Zentrum in Moskau als unvollständig angesehen wird. Die hier vorgelegte Enzyklopädie wurde von Beiträgern aus den ehemaligen Mitgliedsländern der UdSSR sowie aus den USA und Israel verfasst; die meisten und alle größeren Lemmata sind gezeichnet und enthalten teilweise ausführliche Literaturverzeichnisse und vor allem Archivhinweise, jedoch keine Anmerkungen. Viele Fotos ergänzen den Text.
Die Enzyklopädie bietet Stichworte zu Orten, Personen und Institutionen. Beispielsweise schreiben I. Ė. Elenskaja und E. S. Rozenblat über Kossovo, eine Stadt im nach 1921 polnischen und 1939 von der UdSSR okkupierten Gebiet, in der 1931 etwa 2.200 Juden 1ebten. Die Stadt wurde 25.Juni 1941 besetzt; im August 1942 wurde sie von Partisanen erobert, wobei 200 Juden befreit wurden – an anderen Orten wurden jedoch 1.800 Juden aus Kossovo von deutscher Polizei unter Mitwirkung belorussischer Polizei und belorussischen „Selbstschutzes“ umgebracht. G. Rejkhman schreibt über G. L. Rozenblat, der Kommandeur eines jüdischen Zuges in der Partisaneneinheit Kovpak war, 1945 nach Israel ging und dort mehrere Bücher zum Partisanenkrieg publizierte. Ein ungezeichneter Artikel informiert über die Panzergenerale Matvej und Evsej Weinrub, welche den sowjetischen Angriff im Weichsel-Oder-Raum Anfang 1945 führten in dessen Verlauf Auschwitz befreit wurde. I. A. Al’tman schreibt über spezielle jüdische Partisaneneinheiten und über Juden in allgemeinen Partisaneneinheiten. Er kommt auf 70 jüdische Einheiten mit etwa 4000 Kämpfern und zählt insgesamt 17.500 jüdische Partisanen.
Auch Politiker werden in Hinblick auf den Holocaust in der UdSSR aufgeführt, etwa Raul Wallenberg; Boris L. Vannikov, Volkskommissar für Rüstung; und Semen M. Dubnov, Historiker des Judentums, 1922 aus der UdSSR emigriert, 1933 aus Berlin nach Riga umgezogen, ermordet Dezember 1941. Ein anderes Beispiel: Isaak S. Zal’cman, Volkskommissar für Panzerbau und Mitorganisator der Massenfertigung der schweren sowjetischen Tanks ab 1942. Ein ungezeichnetes Lemma über L. N. Kaganovich notiert: „aktiv am stalinistischen Terror beteiligt … Unter seiner Leitung erfüllte das Eisenbahnsystem der UdSSR effektiv die schwierigen Aufgaben des Krieges … , die Verwandten in der Ukraine wurden Opfer des Holocaust … Ende 1950er, Anfang 1960er verlor er Regierungs- und Staatsämter und wurde aus den Partei ausgeschlossen.“
Besonders aktuell ist ein längerer Aufsatz von I. A. Al’tman und A. S. Frenkel über Denkmale (Pamjatniki). Außer dem bekannten Denkmal in Minsk wurden nach 1945 noch eine ganze Reihe anderer Denkmale mit jiddischer Inschrift auf Kosten lokaler Spender errichtet. Später allerdings forderten Bürgermeister und andere zunehmend, solche Denkmal auf den Friedhöfen zu errichten. In den fünfziger Jahren verschwanden auf vielen, aber nicht allen Denkmalen an öffentlichen Plätzen die Hinweise auf die jüdische Ethnizität, jiddische Sprache etc.. Das war abhängig davon, wie mutig und wie erfolgreich sowjetische Bürger sich engagierten – in Minsk z. B. blieb der jiddische Text, aber neue Denkmale galten umfassend „Sowjetbürgern“ o. ä.. Dies änderte sich ab den 80er Jahren, heute gibt es eine eigene Internetsite (www.holomemory.ru ) , über welche das Auffinden von Plätzen des Massenmords und der Aufbau von Denkmalen organisiert werden kann.
Die Herausgeber nennen im Vorwort einige wichtige deutsche Autoren zum Holocaust in der UdSSR (Dieter Pohl, Christian Gerlach, Andrej Angrick, Christoph Ditzmann). I. I. Kovtun bezieht sich in dem Lemma über die Waffen-SS sowohl auf das Buch von G. Kopp über die SS, das in russischer Über-setzung vorliegt, als auch auf M. Wildt’s „Generation der Unbedingten“ , womit die deutschsprachige Forschung über dessen Literaturverzeichnis zugänglich ist (auch wenn Wildt’s Thema eigentlich das Reichssicherheitshauptamt ist). A. I. Kruglov schreibt das Lemma über die Einsatzgruppen jedoch ohne Nachweise von Literatur, und V. D. Kulishov schreibt das Lemma über Galizien, ohne sich auf Dieter Pohl oder Thomas Sandkühler zu beziehen. D. A. Zhukov schreibt über Wehrmacht und Judenmord und bezieht sich auf Hannes Heer, dessen Buch ins Russische übersetzt wurde, und auf „Schöne Zeiten“ von Klee, Dressen und Ries, nicht aber auf Gerd Ueberschär oder Wolfram Wette. Wichtig ist jedoch, dass Zhukov und Kovtun auf Archivmaterialien verweisen. Der ungezeichnete, einspaltige Artikel über Hitler beruht auf Fest, dessen Buch ins Russische über-setzt wurde. Lohnt solcher Eintrag? Fragen wie die, ab wann es das Ziel Hitlers war, die Juden nicht nur zu vertreiben, sondern zu ermorden, bleiben ungestellt. Dass insgesamt die Kooperation mit deutschen Wissenschaftlern nicht intensiver gesucht wurde, ist bedauerlich. Am augenfälligsten wird das in der etwas unbe-kümmerten Bebilderung, die wenn man so will den wissenschaftlich ergiebigen Streit um die Bilder vom Krieg, welche sich in Deutschland an die „Wehrmachtsausstellung“ anschloss, verschlafen hat.
Die Leistung der Enzyklopädie insgesamt ist beeindruckend. Wer sich über den Holocaust auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR informieren, Bekannte in einer belorusssichen oder westrussischen Stadt – sagen wir in Glubokoe oder Staraja Russa – besuchen möchte oder zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges bzw. des Massenmordes an den Juden überhaupt arbeitet, der wird an diesem Hilfsmittel genau so wenig vorbei gehen, wie an der Gesamtdarstellung, die Ilja Altman vorgelegt hat – oder auch den Büchern von Sandkühler, Gerlach und Pohl in deutscher Sprache.
Die Fachbibliothek des Holocaustzentrums wird regelmäßig mit neuer, internationaler Literatur ausgestattet, die das Thema “Holocaust auf den besetzten gebieten der Sowjetunion” behandelt.
Die Bücher sind zu großem Teil Schenkungen internationaler Verlage, Universitäten und Organisationen, wie dem Hamburger Institut für Sozialforschung. Das Institut unterstützt das Zentrum regelmäßig. So erhielt das Zentrum in diesem Monat zwei neue Bücher aus Hamburg. Das Buch “Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944” von Christian Gerlach beleuchtet verschiedene Vorgehensweisen und Geschehnisse während der Besatzungszeit wie zum Beispiel Landwirtschafts- und Ernährungspolitik in Weißrussland, Zerstörungen von Städten und Entindutsrialisierung, Zwangsarbeit im Gebiet Weissrusslands, die Ermordung der weißrussischen Juden und die weißrussische Partisanenbewegung.
Des Weiteren erhielt das Holocaustzentrum von Hamburger Institut für Sozialforschung Andrej Angricks “Besatzungspolitik und Massenmord. Die Einsatzgruppe D in der südlichen Sowjetunion 1941-1943”. Auch diese Arbeit beschäftigt sich unter anderem mit dem Überfall auf die Sowjetunion, mit den verschiedenen “Tätigkeiten” der Einsatzgruppen auf den besetzten Gebieten, mit den Volksdeutschen und den verschiedenen Vorgehensweisen der deutschen Vernichtungspolitik.
Antisemitismus: der allgemeine Hass. Essays in Erinnerung an Simon Wiesenthal Eds. Ilya Altman. Shimon Samuels, Mark Weitzman
Das Buch wurde durch die UNESCO, das Simon Wiesenthal Center und Verbie et Lumiere Vigilance, in englisch und franzoesisch veroeffentlicht. Die Russische Ausgabe enthaelt neue Artikel von Russischen Autoren und ein spezielles Kapitel mit Reden russischer Politiker wie Michail Gorbatschov, Vladimir Putin und Dmitry Medvedev.
Die Bibliothek des Holocaustzentrums wird regelmäßig mit neuen
internationaeln Büchern erweitert, die sich mit dem Thema des Holocaust auf den
besetzten Gebieten der UdSSR auseinendersetzen. Neben dem vom United States
Holocaust Memorial Museum herausgebrachten Buch “The Shoah in Ukraine” konnte
der Bibliothek auch das neu erschienene Buch “Holoaust in Litauen” (Böhlau
Verlag, 2008) hinzugefügt werden. Herausgegeben von Vincas Bartusevicius,
Joachim Tauber und Wolfram Wetter beschäftigt sich das Buch mit dem Holoaust in
Litauen und geht hierbei besonders auf das Jahr 1941 ein. In internationaler
Zusammenarbeit beschäftigten sich Historiker mit den zahlreichen Morden an
Juden, mit litauischen Kollaborateuren und den Auswirkungen des Krieges in dem
baltischen Land, das als Testgelände für den Holocaust gesehen werden kann.
Wir können nicht Schweigen: Schüler und Studenten über den Holocaust. Band 4
Gefasst von D. Prokudin, I. Altman – Zentrum und Stiftung Holocaust 2008 Eine Sammlung der Gewinnerarbeiten des internationalen Wettbewerbes „Lehrstunden des Holocaust – ein Weg zu mehr Toleranz“ beinhaltet Forschungsarbeiten, Essays und Bilder von Schülern und Studenten aus neun Regionen Russlands und Weißrusslands. Im einleitenden Aufsatz versucht der Pädagoge D. Prokudin Tendenzen und Stimmungen in Schulen und Universitäten festzuhalten und gibt praktische Tipps zur Arbeit mit den Materialien. Das Buch richtet sich an Schüler, Studenten und Pädagogen. Der Originaltext ist auf unserer Seite unter der Rubrik "Российская библиотека Холокоста" veröffentlicht.