Adresse: 115035, Russland, Moskau, Sadovnicheskaya St. 52/45
Russisches Forschungs-und Bildungszentrum "Holocaust"
(map).
Fernruf/Fax: (499) 995-21-82, (495) 953-33-62
E-mail: center@holofond.ru
English Русский

Gedenkabend in der Synagoge des Russisch-Juedischen Kongresses auf dem „Poklonnaja Huegel“

26. Januar 2012
Die diesjaehrige Holocaust-Gedenkfeier wurde am 26. Januar von Fonds und Zentrum Holocaust, der Bewegung  „Eine Welt gegen den Nazismus“  unter Teilnahme von Vertretern des Europarates und der Stadt Moskau veranstaltet.
Durch den Abend, der  eine Vielzahl von Gaesten angezogen hatte fuehrte Alla Gerber, die Praesidentin des Holocaust Fonds, die das zentrale Anliegen der Veranstalter zum Ausdruck brachte: „Wir sind verpflichtet alles zu tun, dass sich die groesste Tragoedie des 20. Jahrhunderts  nicht noch einmal wiederholen kann. Und daher ist es heute unsere Hauptaufgabe, das Gedenken an den Holocaust zu bewahren und an den Mut derjenigen, die gekaempft haben.“
Einen starken Eindruck hinterliess der Auftritt des ersten stellv. Vorsitzenden des Komitees des Foederationsrates fuer Verfassungsgesetzgebung  und Vorsitzende der Bewegung „Welt ohne Nazismus“ Boris Spiegel, der feststellte, dass die Geschichte des Holocaust, die sich vor 70 Jahren zugetragen habe, immer noch aktuell ist. Und in diesem Sinne sind die politischen Fuehrer und Kraefte in verschiedenen Laendern, die eine  Revision der Kriterien des Holocausts anstreben und eine Rehabilitierung der Polizeikraefte die dem deutschen Militaer halfen „Ordnung“ auf den okkupierten Territorien zu herzustellen, rechtfertigen bewusst den Faschismus. Sie machen nicht den Holocaust zum Thema, sondern ermoeglichen ein Wiederaufleben des Nationalsozialismus.
Danach ergriffen die Ehrengaeste das Wort.
Die israelische Botschafterin Dorit Golender fuehrte aus: „Wir sind verpflichtet, uns an alle Lehren aus dem 2 WK und dem Holocaust zu erinnern. Und dazu gehoert es auch, die Ursachen des Holocaust zu kennen. Wir muessen darueber nachdenken, warum dieser Schrecken moeglich wurde und alles tun, damit er sich niemals wiederholt. Den heutigen und kommenden Generationen erklaeren wir einstimmig, niemand darf  gegenueber Antisemitismus und Xenophobie  oder anderen Formen  rassischer oder religioeser Intoleranz gleichgueltig sein.“ Fuer die Borschafterin ist die Tragoedie ihres Volkes  untrennbar verbunden mit der Tragoedie ihrer Familie, die viele Opfer  der Shoah zu beklagen hat.
Der deutsche Botschafter  hob hervor: „Der Holocasut stellt  ein Verbrechen dar, das mit Scham erfuellt. Und er wird immer ein Teil der Geschichte meines Landes bleiben, das eine besondere Verantwortung fuer Israel und das juedische Volk traegt.“ Diese Verantwortung stelle eine zusaetzliche Gewaehr dafuer dar, dass  dem Rassenhass und  und der Idee der rassischen  Ueberlegenheit Widerstand entgegengesetzt wird.
Unter den Gaesten befanden sich diplomatische Verteter aus Lettland, Litauen, Polen, der Ukraine, Belarus und der Tuerkei. Der Europarat war mit einer groesseren Delegation vertreten.
Die Teilnehmer der Konferenz sprachen rusissch, englisch, deutsch, franzoesisch und spanisch, aber alle verstanden sich und sprachen eine gemeinsame Sprache, die der Freundschaft, der Wertschaetzung, und des Gedenkens an das Vergangene als Mittel dem Boesen, und der Gewalt in der Gegenwart zu widerstehen.
Besonders herzlich empfingen die Teilnehmer einen  aussergewoehnlichen Gast : Eva Schloss, die den tragischen Weg der europaeischen Juden durch Auschwitz gegangen ist. Das bemerkenswerte Schicksal dieser Frau, in Oesterreich geboren, vor den Faschisten nach Amsterdam geflohen wohnte sie im gleichen Haus wie die Familie Frank. Durch Verrat kam die Familien ins KZ, Vater und Bruder kamen um. Eva wurde zusammen mit Annes Vater Otto in Auschwitz befreit. Die wie durch ein Wunder gerettete Mutter heiratete nach dem Krieg Otto Frank und  so wurde Eva zur Stiefschwester von Anne Frank. Und daher war es von besonderer Bedeutung, wenn sie bei der Eroeffnung der Ausstellung „Die Welt der Anne Frank“ anwesend war. Eva Schloss  kam zum ersten Mal nach Moskau  und brachte ihr Erinnerungsbuch und die Militaerkleidung mit, die sie bei der Befreiung von Soldaten der Roten Armee erhalten hatte.
Die Organisatoren hatten eine besondere Ueberraschung selbst fuer Eva Schloss vorbereitet: auf die Buehne kamen drei der ehemaligen Soldaten, die Ende 1945  Auschwitz befreit hatten, eine  symbolischere und bewegendere Begegnung als die der Befreier und der Befreiten ist wohl kaum denkbar.  Heute sind Jakow Winitschenko, Iwan Martynuschkin, Jurij Riwas-Krawkow schon betagt. Aber sie sind einige von Millionen von Soldaten der Roten Armee, die Juden gerettet und die gesamte Menschheit vom Uebel des Faschismus befreit haben. Der Praesident der REK Jurij Kanner dankte allen, die sich heute aktiv dem Aufkommen von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit widersetzen und ueberreichte eine Urkunde ueber einen  vom REK gepflanzten Oelbaum in Nazareth an Alla Gerber, Ilja Altman, Jurij Dombrowskij und Boris Basjukow. Er unterstrich den entscheidenden Beitrag der Sowjetunion im Kampf gegen den Faschismus. Der Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee wurde zum Internationalen Holocausttag und Russland ist eines der wenigen Laender, das diesen Tag bis heute nicht in den Rang eines  nationalen Gedenktages erhoben hat.
Es ist unbedingt notwendig, diesen Tag offiziell anzuerkennen, um der Geschichte gerecht zu werden und  an die Verbrechen des Faschismus zu erinnern:  denn jedes Volks kann zum Opfer eines Genozids  werden.
Entsprechend  der Tradition des Gedenkabends wurden die Sieger des 10. internationalen Holocaustwettbewerbs: „Holocaust - Erinnerung und Mahnung“ geehrt. Die elf Sieger unter den 1775 Teilnehmern wurden nach Moskau zur Gedenksoiree eingeladen. Es gratulierten
der Direktor des Info- Zentrums der UNO in Moskau, Aleksandr Gorelik, der Vorstand des  Projekts „Die Wuerde zurueck geben“, Jurij Dombrowski und der Direktor des Eben-Ezer Fonds, Boris Wasjukow.
Die emotionale Komponente des Abends unterstrich der juedische Chor unter Leitung von Aleksandr Zaljuk; von symbolischer Bedeutung war der Auftritt des Ensembles von Roma „Schwarze Augen“  die fuer ein anderes Volk stehen, das Opfer des Nazi-Genozids wurde. Besonderen Glanz erhielt der Abend durch die Darbietung  der Volkskuenstlerin Russland Tamara Gwerziteli, die den Zuhoeren noch lange im Gedaechtnis bleiben wird.
 
Druckversion