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Kommentar zur Umfrage “Ist es noetig, an russischen Schulen ueber den Holocaust zu lehren? Meinungen der Kirche“

4th May 2012
Am 4. Mai wurden die Resultate einer Umfrage, durchgefuehrt von Regions.ru, veroeffentlicht. Es wurde Vertretern der Kirche die Frage gestellt, ob an russischen Schulen ueber den Holocaust gelehrt werden sollte. Die Ergebnisse der Umfrage machten klar, dass Teile der russischen Gesellschaft die konstitutive Rolle des Holocaust fuer die moderne russische Gesellschaft nicht anerkennen. Auf dem besetzten Terrain der Sowjetunion kamen beinahe 50% der Opfer des Holocaust um, und es ist kein Zufall, dass der internationale Holocaustgedenktag auf dem Tag liegt, an dem die Rote Armee Auschwitz befreite.

Es ist bedauerlich, wie die ersten Schritte des Ministeriums fuer Bildung und Wissenschaft wahrgenommen wurden, ein Modul, das den Holocaust behandelt, in den Lehrplan einzubringen.

Etwa kontaktierten die Herausgeber der Umfrage nicht unsere Organisation, die seit fast zwanzig Jahren in Seminaren Paedagogen schult. Der Holocaust ist bereits jetzt vielerorts festes Thema im Lehrplan, der fehlende systematische Zugang der Schueler zu diesem Thema jedoch sorgt fuer Situationen, in den denen etwa junge russische Menschen live im Fernsehen behaupten, der Holocaust seine eine Art Klebstoff.

Selbstverstaendlich litten alle Menschen in der Sowjetunion unter dem Krieg, die nationalsozialistische Ideologie allerdings unterschied klar zwischen jenen, die sofort, absolut und unwiederbringlich vernichtet werden mussten, den Juden, und allen anderen.

Es gibt keinen Grund, sich nicht an die heldenhaften Taten derer zu erinnern, die ihre juedischen Nachbarn versteckten oder falsche Taufurkunden ausstellten.

Die Retter waren oft christlichen Glaubens, leider waren aber auch die Aufseher und Waerter in den deutschen Lagern oft christlich. Gerade deswegen kann und muss eine Auseinandersetzung stattfinden, die keineswegs einseitig sein kann.

Die katholischen und protestantischen Christen in Russland wurden in dieser Umfrage nicht befragt, letztere beteiligten sich bereits grosszuegig an der Errichtung eines Mahnmals in Lubavitch.

Am 9. Mai erinnert man sich nur in unserem Land und in Israel an das Ende des zweiten Weltkrieges, die Tatsache, dass unsere Armee etliche Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager befreite, bleibt vielen jungen Menschen verschlossen.

Leider gibt es eben keinen Gedenktag, der an die Opfer des Holocaust erinnert.

Diese, oft schmerzhafte, Diskussion um das Erinnern an den Holocaust hat in fast allen Laendern Osteuropas stattgefunden, viele haben Schritte in die richtige Richtung getan, leider Russland noch nicht.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust teilt nicht die verschiedenen Opfer auf, wie manche Kommentare unter der Umfrage andeuten. Der grosse russische Philosoph Mikhail Gefter sagte dazu, dass es „keinen Genozid gegen einzelne gibt – ein Genozid richtet sich immer ge
 
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