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17. November/Internationales Forum in Kaliningrad zum 75. Jahrestag der „Kristallnacht“

Vom 14. bis 17. November 2013 fand in Kaliningrad ein internationales Forum, anlässlich des 75. Jahrestags der „Kristallnacht“-Progrome, statt. Die Ereignisse im November 1938 stellten die erste Welle anti-jüdischer Progrome dar, welche von den Nazis organisiert wurden. Angriffsziele waren Synagogen und jüdische Viertel im ganzen Deutschen Reich, einschließlich Ostpreußen.
Das Forum beinhaltete eine internationale Konferenz und durch die Initiative des Russisch-jüdischen Kongresses und des Russischen Holocaust-Zentrums fanden Fortbildungen für Lehrer an jüdischen Schulen der CIS- und den baltischen Staaten statt. Insgesamt brachte das Forum mehr als 50 WissenschaftlerInnen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Lehrer aus Belarus, Estland, Finnland, Deutschland, Israel, Japan, Litauen, Moldawien, Polen, Russland, den USA und der Ukraine zusammen.
Die internationale Konferenz “Holocaust Lessons and Contemporary Russia” („Die Lehren des Holocaust und das heutige Russland“) fand vom 14. bis 16. November in der Baltischen Förderalen Immanuel-Kant-Univertät in Kaliningrad statt. Die Stadt wurde als Veranstaltungsort ausgewählt, da Königsberg, wie die Stadt vor 1946 hieß, der einzige Ort im heutigen Russland ist, an dem die „Kristallnacht“ stattgefunden hat.
Ein Hauptredner war einer der bekanntesten zeitgenössischen Holocaust-Forscher, Professor Michael Berenbaum, von der American Jewish University in Los Angeles. Er sprach über die Motive und Konsequenzen der „Kristallnacht“ und ordnete die Ereignisse in den Kontext der jüdischen Geschichte ein. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Analyse der amerikanischen Reaktionen auf die „Kristallnacht“. Dr. Shimon Samuels, ein weiterer Hauptredner und seines Zeichens Direktor der Internationalen Programme im Simon-Wiesenthal-Zentrum in Paris,  befasste sich mit den aktuellen Problemen des Holocaustgedenkens, Antisemitismus’ und der zunehmenden anti-israelischen Einstellung in Europa.
Eines der Gremien der Konferenz behandelte das Thema der „Kristallnacht“. Bemerkenswert war hierbei die Präsentation von Professor Alan Steinweis von der Universität Vermont, ein bedeutender Experte des Themas und Autor des Buches „Kristallnacht, 1938“. Er sprach über den historischen Hintergrund, vor dem die Progrome aufkamen und wie sie die deutsche Gesellschaft ergriffen. Besonders erhellend waren Professor Steinweis’ Betrachtungen der Frage, ob die „Kristallnacht“ als eine vorsätzliche Aktion verstanden werden kann oder als Entfaltung der „Endlösung“. Professor Johann Chapoutot von der Universität Grenoble gab Aufschluss über die bisher vernachlässigten internationalen Aspekte der Progrome. Dr. Jürgen Zarusky vom Institut für Zeitgeschichte München beschäftigte sich in seinem Beitrag mit den historischen Hintergründen der „Kristallnacht“ und Verhaftungen von Juden und ihren anschließenden Schicksalen in den Konzentrationslagern der Nazis.
Ein anderes Gremium schaute auf die Aktivitäten von Chinue Sugihara, einem berühmten japanischen Gerechter unter den Völkern, welcher während der „Kristallnacht“ japanischer Konsul in Königsberg war. Besonders wichtige Einblicke gab Professor Ilya Altman, Leiter des Russischen Holocaust-Zentrums und Professor Chizuko Takao von der Rikkyo Universität in Japan, welcher über den Transit von jüdischen Flüchtlingen durch die UdSSR, mithilfe von durch Sugihara ausgestellten Visa sprach. Kiril Feferman vom Russischen Holocaust-Zentrum untersuchte, wie die Flucht mithilfe dieser Visa in den Rabbinerkreisen Litauens gesehen wurde. 
Am Morgen des 17. November ehrten die Konferenzteilnehmer die Opfer des Holocaust in der Gedenkstätte des Dorfes Yantarnoe, wo die SS am 30. Januar 1945 etwa 7000 Juden ermordete. Dies war die letzte große Massaker an Juden im Zweiten Weltkrieg.



 
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