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Russisches Forschungs-und Bildungszentrum "Holocaust"
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Auf dem Pfad der Erinnerung. Jungen Moskauern lernen über den Holocaust

30. April.

In Moskau ist der jährliche Erinnerungsmarathon beendet worden, der traditionsgemäß vom Russisch-jüdischen Kongress sowie vom Russischen Forschungs- und Bildungszentrum „Holocaust“ organisiert wird, in dem Sinne, als dass die Bildungsprogramme von ihnen entwickelt wurden.

Es ist bekannt, dass der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust und des Heldentums am Jahrestag des Aufstands im Wahrschauer Ghetto im April 1943 begangen wird, welcher in Israel als Gedenktag an alle Juden die wahrend des Holocaust ums Leben gekommen sind begangen wird. Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Shoa – der Holocaust nicht die Katastrophe eines einzelnen Volkes, des jüdischen und deshalb ausschließlich nationale, sondern eine Tragödie der gesamten Menschheit. Die Organisatoren erinnern sich noch sehr gut an den wichtigsten Gedanken, ausgesprochen vom ersten Präsidenten der Russischen Stiftung „Holocaust“ Michail Gefter: „Einen Genozid gegen ein einzelnes Volk gibt es nicht, ein Genozid richtet sich immer gegen alle.“ Ein anderer, nicht weniger wichtiger Gedanke ist der von Alla Gerber, jetzige Präsidentin der Stiftung. Er lautet „Der Holocaust ist ein jüdisches Unheil, aber kein jüdisches Problem.“

Wie schon in den letzten Jahren fand der Erinnerungsmarathon im Museum für jüdisches Erbe und den Holocaust, welches in der Gedenksynagoge des Russisch-jüdischen Kongress´ beherbergt ist, statt. Schüler und Lehrer Moskauer Schulen beteiligten sich an Zeitzeugentreffen mit ehemaligen Häftlingen der Nazis, welche Teilnehmer des Widerstands waren.

Allerdings hat die Erfahrung aus den letzten Jahren die Notwendigkeit zur Ausweitung des zeitlichen Rahmens, sowie der Anwendung vielfältiger Formen in der Durchführung des Marathons aufgezeigt.

Im Jahr 2014 wurde die Entscheidung getroffen den Marathon am Internationalen Holocaustgedenktag am 27. Januar zu beginnen. Doch diesjährige Besonderheiten wurden nicht nur die lange zeitliche Dauer, sondern auch seine Durchführungsorte. Dank der engen Zusammenarbeit mit dem Methodikzentrum des Zentralen Verwaltungsbezirks und der persönlichen Beteiligung von Swetlana Muchanowaja, (Museumspägagogin aus der für den Zentralen Verwaltungsbezirk Moskaus zuständigen Gruppe des Städtischen Methodikzentrums des Department für Bildung) nahmen in diesem Jahr fast 15.000 Schüler und Lehrkräfte am Erinnerungsmarathon teil!

Die durchgeführten Veranstaltungen gingen über den Rahmen eines alltäglichen Museumsbesuch hinaus, ein bedeutender Teil fand in Schulen des Zentralen Gebiets Moskaus statt.
Zu Beginn hielten wir ein Einführungsseminar für alle Leiter von Schulmuseen über die Durchführung des Marathons ab. Die nächste Etappe war eine Wissenschafts- und Methodenkonferenz: „Die Rolle von Schulmuseen in der Erziehung von Schülern in Bildungseinrichtungen mit multikulturellen Komponenten“. Mitarbeiter des Holocaustzentrums führten zusammen mit Freiwilligen (junge Menschen aus Deutschland und Österreich, im Rahmen eines Freiwilligendienstes und Alternativen Dienstes im Holocaustzentrum arbeitend) eine Reihe von Treffen unmittelbar an Schulen durch: Vorträge, Diskussionen, Runde Tische, Wanderausstellungen; das ist bei weitem nicht das ganze Spektrum der durchgeführten Veranstaltungen. Klassenstunden, Tapferkeitsstunden, Filmvorführungen mit anschließender Diskussion, die Erstellung von Präsentationen zum Thema. In fünf Schulen fanden Theatervorführungen statt, die von insgesamt 1500 Zuschauern besucht wurden.

Im Rahmen des Erinnerungsmarathons wurden 51 Ausstellungen in Schulmuseen zum Thema Holocaust eröffnet, die Besucherzahl liegt bereits bei 6200 Schülern. Genauso viele hörten Übertragungen von Schulradios.

Das Museum für jüdisches Erbe und den Holocaust besuchten fast 2000 Schüler und Studenten zusammen mit ihren Pädagogen. Das sind ungefähr 85 Gruppen aus 52 Schulen, Gymnasien und Colleges in Moskau.

Beendet wurde der Marathon im Museum für jüdisches Erbe und den Holocaust an dem Tag, an dem auf der ganzen Welt und in Israel der Tag zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust und des Heldentums des europäischen Judentums begangen wird. Auf der kurzen Gedenkfeier traten auf Alla Gerber, Mitglied der Öffentlichen Kammer der Russischen Förderation und Präsidentin der Stiftung „Holocaust“, Ilja Altman, Berater des Präsidenten des Russisch-Jüdischen Kongress´ und Co-Vorsitzende des Zentrums „Holocaust“, Watschagan Pogosjan, Künstler aus Gjumri (Armenien), dessen Gemäldeausstellung zum Genozid an den Armeniern und zum Holocaust am Vortag in Moskau eröffnet wurde, außerdem die Methodistin Swetlana Muchanowa.

Unsere bemerkenswerten Veteranen und ehemalige Ghetto- und Konzentrationslagerinsassen entzündeten Gedenkkerzen. Das sind der ehem. Ghettoinsasse Bar Winniskaja Gebiet, Partisan und Kämpfer der Roten Armee Semen Davidovich Dodik, Wiktor Gecht, ehemaliger Insasse des Ghettos Butschatsch in der Westukraine (Heimat des Schriftstellers Schaja Agnona und des Nazijägers Simon Wiesenthal) und außerdem Teilnehmer an der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, Frontspion Jurij Riwas. Die Leute hörten ihnen im Stehen zu und ließen sie danach lange nicht los, umarmten sie und dankten ihnen dafür, dass jene, die überlebten, den Tod besiegt hatten, das Land aus Ruinen wieder aufgebaut haben und dass sie heute jedes Jahr die Kraft finden zu dem Treffen zu kommen, um unter ihnen „vernünftiges, gutes und ewiges“ zu säen.
Ich möchte allen Beteiligten des Marathons ein großes Dankeschön aussprechen, denjenigen, die bei der Vorbereitung und Durchführung dieses wichtigen Ereignisses geholfen haben und allen, die nicht gleichgültig geblieben sind, stehend an der Seite.

Von N. Anisina (Moskau, Russisch-Jüdischer Kongress) und G.Reikhman Russisches Zentrum "Holocaust", in Israel) http://www.rjc.ru/rus/site.aspx?SECTIONID=415635&IID=2576240
 
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